Den Kühlschrank (inkl. Tiefkühlfach), die E-Bikes, alle Akku-Geräte, einen kleinen Backofen und sogar die Waschmaschine mit der eigenen Solaranlage selbst im Falle eines Blackouts betreiben. Den eigenen Stromverbrauch von der Sonne finanzieren lassen. Einen Unterschied im Namen der notwendigen Energiewende machen. Was auch immer der eigene Beweggrund ist, den eigenen Strom per Solarenergie zu erzeugen, hat viele gute Gründe. Doch nicht jeder will oder kann ca. 20.000€ in eine große PV-Anlage investieren. Und das muss man auch nicht – wenn man stattdessen auf eine kleine Solaranlage oder gar eine Solar-Inselanlage zurückgreift. 

Der Begriff “Solar-Inselanlage” ist in Deutschland leider (noch) nicht geläufig. Höchstens unter Campern und in Ländern, in denen durch Naturkatastrophen und infrastrukturelle Instabilität das Vertrauen in das öffentliche Stromnetz (“Big Grid”) im humanitären Desaster enden kann. Der Begriff “Balkonkraftwerk” dagegen ist auf dem Vormarsch, allerdings irreführend, weil dieses 600Watt-Kraftwerk nicht unbedingt einen Balkon braucht. Ein kleiner Bereich auf dem Dach oder an der Fassade sind ebenfalls ideale Standorte für die kleine PV-Anlage – sofern es keine Verschattungen gibt.

Übersicht zur Funktion des deutschen Stromnetzes
©Wikipedia/Wikimedia im CC0 1.0 Universal (CC0 1.0)

Noch bedeutet “Solarstrom” für den Durchschnittsbürger (leider) vor allem ein mit Photovoltaik-Panels gepflastertes Dach, das sich erst nach 15-20 Jahren zu amortisieren beginnt, um dann nach 20-25 Jahren Sondermüll zu sein. Hinzu kommt die Bürokratie mit dem Finanzamt, denn die Einspeisung ins Hauptnetz ist durch die Einspeisevergütung (von aktuell ca. 6,5 €-Cent – Tendenz sinkend -) eine zu versteuernde Einnahme. 

Lohnt sich nur eine große Solaranlage?

Persönlich habe ich die Ökonomie hinter einer großen Anlage mit Einspeisung noch nicht verstanden. Warum sollte man rund 20.000€ auf seinem Dach parken, damit man es Centweise von seinem Stromversorger (hier in Bremen bspw. der SWB) über 15-20 Jahre zurückbekommt? Damit man sich nach all den Jahren über ein passives Einkommen in Höhe eines Kindertaschengelds (im Jahr 2022 ca. 20€ im Monat zzgl. der Ersparnis der Stromkosten) freuen kann? Nun ja, eigentlich muss man die Ersparnis dann schon wieder für die neuen Panels zurücklegen, denn die amortisierte Anlage macht von da an nur noch 5-10 Jahre mit.

Aber es gibt doch die Einspeisevergütung

Die Leistung der Panels nimmt mit den Jahren ab und parallel sinkt die Einspeisevergütung. Je länger man also die Anlage abbezahlt, desto schlechter. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 betrug die Einspeisevergütung noch 50 €-Cent, 2023 vermutlich nur noch knapp ein Zehntel davon. Und hier wurde die Inflation der letzten 20 Jahre noch nicht berücksichtigt. Die Einspeisevergütung rechnet sich vielleicht für Eigentümer riesiger Dächer, aber in meinen Augen nicht für den Eigentümer eines normalen Bremer Hauses, der sich lediglich an der Energiewende beteiligen, Stromkosten reduzieren, oder für den Notall vorbereitet sein möchte.

Warum nicht einfach eine sehr viel kosteneffizientere Solaranlage mit z.B. zwei Panels installieren lassen, die bei einer vierköpfigen Familie 50% des Eigenbedarfs an Strom decken kann, während man seine Ersparnisse in eine private Rentenversicherung, Aktien oder einen ETF steckt? Letzteres wäre vor allem sinnvoll, um zukünftige Reparaturen am Haus inflationsgeschützt zurückzulegen. Geld auf dem Konto fällt der Inflation zum Opfer. Eine Handwerkermaßnahme, die heute 2.000€ kostet, wird im kommenden Jahr vermutlich zwischen 2.200€ und 2.500€ kosten. 

Warum mangelt es hinsichtlich einer kleinen PV-(Insel-)anlage an Aufklärung?

Weil eine kleine Solar-(Insel-)anlage für einen Solaranlagenbauer mit Mitarbeitern in der Regel nicht lukrativ ist. Dieser braucht – wie ein Dachdeckerbetrieb mit einigen Mitarbeitern – das ganze Dach, damit es sich lohnt. Ob Ihr Geld dann wirklich verhältnismäßig investiert wurde, bleibt fraglich. Vor allem, wenn unter der neuen Solaranlage ein marodes Dach schlummert, dessen Dachsteine nur noch in Latten hängende Schwämme sind. 

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